
Endlich - die Tax Exemption Card ist da! Fast
fünf lange Wochen des Wartens sind vorbei und jetzt können sich die
beiden frischgebackenen New Yorker - trotz diverser Rückschläge auf
dem Dienstleistungssektor noch nicht ganz ihres Optimismus beraubt - auf die
Suche nach einem fahrbaren Untersatz begeben. Na gut, zugegeben - sie sind eigentlich
gar keine richtigen New Yorker, sondern noch ganz am Anfang der Karriereleiter
stehende deutsche Diplomaten, aber genau deswegen - die deutsche Gründlichkeit
sei gelobt - auch bestens vorbereitet beim ersten Besuch in einem Autohaus,
worauf die Händler durchweg nicht eingestellt sind. Eigentlich war es auch
gar nicht so schlecht, daß sie den langsam mahlenden Mühlen der amerikanischen
Bürokratie ausgesetzt waren und fünf Wochen warten mußten, bis
sie das Privileg der Steuerbefreiung in Anspruch nehmen durften - so konnte
er wenigstens in aller Ruhe den "Consumer Guide - Car and Trucks 1999"
wälzen und sie sich dann gemeinsam genauestens überlegen, welche Kategorie
Auto in welcher Preisklasse und mit welcher Ausstattung infrage kommen würde.
Ein in Anbetracht der Vielfalt des Angebots nicht ganz einfaches Unterfangen.
Aber man ist jung, hat keine Kinder und deren Wagen oder großen Musikinstrumente
zu transportieren und muß auch nicht genau auf den Pfennig, oder besser,
den Cent achten - also muß ein sportlicher Flitzer ran. Aber leider ist
auch im Land der großen Unmöglichkeiten mit den großen Autos
und großen Häusern sowie den Menschen mit großer Klappe und
häufig großem Unvermögen ein Sportwagen nur ein kleines, niedriges
und doch relativ enges Auto, so daß er mit seinen 2.00 m Länge, oder
wie man hier sagt "Six-Seven", nicht einfach so reinpaßt bzw.
wenn doch, keinen rechten Platz hat und/oder nichts sieht. Nun ja, aber auch
für diese Eventualität hat der gründliche Deutsche vorgebaut
und eine Reihe von Ersatzmodellen vorgesehen, die testgesessen und -gefahren
werden müssen. Eine Reihe ist vielleicht auch etwas übertrieben ausgedrückt
- aber immerhin standen zum Schluß zwei Modelle zur Auswahl, zwischen
denen sich die junge Familie entscheiden mußte.
Die erste Testfahrt wurde im Dodge Intrepid gemacht. Der Autohändler-Knecht
auf dem Rücksitz erzählte alles und nichts. Als es ernst wurde und
die potentiellen Kunden wissen wollten, ob der Wagen ABS hat, mußte er
sich leider mit dem Hinweis auf den auf der Außenscheibe klebenden Zettel
herausreden - er habe auch noch nicht daraufschauen können, aber sobald
der Wagen hielte, würde er ihnen diese Information geben können. Glaubt
der amerikanische Autohändler, der gemeine deutsche Autokäufer sei
blind und könne nicht selber auf eben dieser Beschreibung nachsehen? Warum
wohl hat man ihn als Inbegriff des Wissens über genau dieses Gefährt
bereits während der Fahrt danach gefragt? Blicke des Unverständnisses
zwischen dem Pärchen. Leider hatte der Wagen kein ABS und kam deswegen
als solches nicht in die Tüte. Aber das prinzipielle Interesse war natürlich
immer noch vorhanden. Also setzte man sich zum Verkaufsgespräch nieder.
Da der Amerikaner schlechthin mehr Wert auf solche Dinge wie "cupholders"
und "arm rests" und alles mit der Vorsilbe "power" (z.B.
power windows, power seat, power lock, power mirrors etc.) legt, konnte der
New Yorker Autoverkäufer die beiden seiner Ansicht nach sicherheitsfanatischen
Deutschen überhaupt nicht verstehen, als sie es ablehnten, auch bei großzügigem
Preisnachlaß (der allerdings gar nicht näher erläutert wurde),
das Auto ohne ABS nicht zu nehmen. Man nahm Stift und Zettel und begann, die
Koordinaten niederzuschreiben. Es wurde die ES-Version des Intrepid bestellt,
die etwas luxuriösere Ausführung des Basismodells also, da diese bereits
ABS serienmäßig aufweist und außerdem einen elektrisch verstellbaren
Fahrersitz - für den von Mutter Natur im Jugendalter zu großzügig
mit Wachstumshormonen versehenen männlichen Teil des Käuferduos ein
unabdingbares Feature - da dieser dann auch höhenverstellbar sein soll,
was die mechanische Ausführung nicht war. Die Farbe wurde bestimmt - man
entschied sich für eine Farbbezeichnung, die hier der Einfachheit halber
Schwarz genannt werden soll, in Wirklichkeit aber wesentlich poetischer und
fantasievoller klang. Dann ging es zum spannendsten Teil des bis dato nicht
sehr einfallsreichen Verkauf"gesprächs" über - der Preisverhandlung.
Die Vorstellung der deutschen Perfektionisten, daß derjenige, der verkaufen
will, demjenigen, der zu kaufen und zudem den vollen Betrag in bar zu entrichten
gedenkt, ein Angebot unterbreitet, das Letzterer nicht abschlagen kann, erwies
sich erneut als sehr unrealistisch. Unsere beiden ausländischen Autokaufneulinge
wurden darauf hingewiesen, daß es im Gastland der Gepflogenheit entspricht,
daß der Käufer ein Angebot abgibt, welches der Verkäufer wiederum
begutachtet und dann entweder als realistisch in die engere Wahl zieht oder
aber hohnlachend zurückweist und um einen höheren Betrag bittet. Auch
die nachdrücklichen Beteuerungen der Germanen, daß es in ihrem Land
genau andersherum üblich ist, konnten den Autoknecht nicht dazu bringen,
eine Zahl zu nennen. Er ließ sich einzig dazu bewegen, seinen direkten
Vorgesetzten herbei zu holen, auf daß dieser es schaffe, den Ausländern
die landesüblichen Autohandelsgebräuche beizubringen. Nach einigem
Hin und Her einigte man sich schließlich auf eine Summe, mit der die deutsche
Seite auf jeden Fall und die Händlerseite scheinbar auch gut zufrieden
sein konnte. Allerdings erst, nachdem die potentiellen Dodge-Besitzer einen
Deposit in Höhe von 100$ hinterlassen hatten, um ihr seriöses Kaufinteresse
zu signalisieren. Ohne dieses Zugeständnis hätte sich das Autohaus
nicht auf die Suche nach einem Dodge Intrepid ES gemacht, der in Farbe, Interieur
und Ausstattung genau dem entspricht, was dem Käuferpaar vorschwebte. Natürlich
sei alles hunderprozentig rückerstattbar und falls man sich am nächsten
Tag beim nächsten Termin für die zwar teurere dafür aber minderwertigere
und kein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietende Ware der Konkurrenz
entscheiden würde, hätte man keinerlei Einbußen, da man seine
100$ ja auf jeden Fall wiederbekommen würde. Falls man nicht mehr voneinander
hören würde, so vereinbarte man beim Abschied, würde sich der
Dodge-Händler gleich am Wochenanfang auf die Suche nach dem gewünschten
Wagen machen und mit Sicherheit in der ersten Wochenhälfte auch einen finden.
Beschwingt und mit der Vision, vielleicht schon am folgenden Wochenende glückliche
Besitzer eines Neuwagens amerikanischer Produktion zu sein, verließen
die zwar schon am Prinzip des amerikanischen Autohandels zweifelnden aber trotzdem
noch positiv denkenden jungen Kollegen das Autohaus. Leider mußten sie
am Abend bei erneuter Lektüre der Dodge-Seiten des Consumer Guide feststellen,
daß weder Intrepid Basic Model noch Intrepid ES serienmäßig
mit einer Wegfahrsperre ausgerüstet sind. Mittelschwer erschrocken wurden
alle Details nochmals durchgegangen - an oben erwähnter Tatsache änderte
sich jedoch auch nach nochmaligem Studium der Texte nichts. Was tun? In Deutschland
ist jeder poplige Neu-Kleinwagen zwischenzeitlich mit einer Wegfahrsperre ausgerüstet,
nicht zu reden von ABS. Diese Amerikaner können einen aber auch zur Weißglut
bringen - Hauptsache, man kann im Auto campen, für mehrere Personen Kaffeetassen
und Coladosen unterbringen sowie sich so fühlen, als ob man zu Hause im
Fernsehsessel sitzt! Panisch malt sich unser Pärchen aus, wie man wohl
im Dodge-Autohaus auf ihre Ankündigung reagieren wird, daß der neue
Wagen auch noch eine Wegfahrsperre haben muß. Wie wird sich das auf den
ausgehandelten Kaufpreis auswirken? Muß man sich eventuell darauf einstellen,
fast 400 Dollar Aufpreis für ein sogenanntes "Sicherheitspaket"
zu zahlen, welches prinzipiell nur aus fernbedienter Türöffnungs-
und -schließanlage sowie Alarm und Wegfahrsperre besteht? Sollte man vielleicht
auf die Wegfahrsperre verzichten? Aber was sagt die deutsche Vollkasko dazu?
Nun ja, wer sagt, daß Autokaufen einfach sei? Kommt Zeit, kommt Rat -
erst mal muß das Modell der angeblichen Konkurrenz noch getestet werden.
Am nächsten Tag nämlich erwartet unsere deutschen Freunde schon der
Chrysler 300M mit dazugehörigem Verkäufer Maurice, der wesentlich
besser versteht, einen kompetenten Eindruck zu erwecken, als sein Kollege von
der Dodge-Konkurrenz. Außerdem kann er besser small-talken. Auch seinen
300M preist er an, als ob er der Konstrukteur höchstpersönlich sei.
Der Wagen geht ja auch wirklich ab wie Hexe und ist auch sonst sehr bequem
Pech ist nur, daß unser hochgewachsener deutscher Kleinfamilienvater im
angeblich größeren, weil teureren, 300M weniger Platz hat als im
Intrepid von gestern. Und da das Wohlbefinden des Familienoberhaupts ja das
Hauptkriterium bei der Autoauswahl war, ist und bleibt, muß Maurice leider
die Auskunft zur Kenntnis nehmen, daß man sich jetzt doch zugunsten des
Dodge Intrepid entschieden hat, größerer Innenraum und kleinerer
Preis und noch dazu ähnlich tolles Fahrgefühl - was soll man dagegen
noch anbringen? Als Autoverkäufer vom Chrysler-Autohaus führt man
zuerst das Argument ins Feld, daß sich die Käufer ja auch spontan
für einen Chrysler Concorde entscheiden könnten. Dies sei die gleiche
Basis wie beim Intrepid und auch sonst sehr ähnlich - was Preis und Ausstattung
angeht - und außerdem: "Chrysler owns Dodge", was übersetzt
soviel heißt wie: "Ihr Geld kommt im Endeffekt eh in den Topf von
Chrysler, also können Sie auch gleich den Concorde kaufen". Daß
der Geschmack des Käufers aber von dem des Verkäufers abweichen könnte
bzw. die äußeren Formen beider Wagen schon variieren, vor allem im
hinteren Bereich, kommt dem guten Maurice erst mal nicht in den Sinn. Aber schon
nach kurzer Zeit, nachdem er erfahren hat, daß nicht durch die deutsche
Gründlichkeit sondern auch ebensolche Starrsinnigkeit sprichwörtlich
ist, wird sein Kollege Luis zurate gezogen und es wird verkündet, daß
man den Deutschen, die die Chrysler Bandbreite anscheinend nicht zu schätzen
wissen und partout auf ihrem Dodge Intrepid beharren, auch einen solchen verkaufen
könnte, da der Besitzer des Chrysler-Autohauses in Manhattan auch noch
eine Dodge-Vertretung in Bergen County, New Jersey sein eigen nennt. Die deutschen
Kunden wittern ihre Chance und beschließen, sich die Unwissenheit der
Autoverkäufer im Allgemeinen und die spezielle Inkompetenz der Chrysler-Verkäufer
bei Dodge-Modellen zunutze zu machen und bluffen, daß sie von der Konkurrenz
ein Angebot für einen Dodge Intrepid ES mit Wegfahrsperre (!) in dieser
und jener Höhe bekommen hätten und die Chrysler-Jungs sich daraufhin
was einfallen lassen müssen. Luis wackelt mit dem getürkten Angebot
von der Konkurrenz für einen Intrepid ES mit Wegfahrsperre zu seinem Chef
und kommt nach ewigem Hin und Her und einigen Telefonaten mit einem Gegenangebot
zurück, welches über 1000$ höher ist, als das von der Konkurrenz.
Austausch von unverständlichen Blicken zwischen unserem deutschen Pärchen.
Wie meint er das denn? Kurze Bekundung von Unzufriedenheit sowie der Absicht,
daß man seinen Dodge dann doch lieber beim Dodge-Händler kauft und
dann dafür auch noch weniger zu bezahlen hat. Abwehren von Luis - er würde
erneut seinen Chef konsultieren, man solle nicht zu eilig das Geschäft
verlassen. Erneutes zermürbendes Warten und dann wird nach langwieriger
Suche im Internet zunächst einmal festgestellt, was ein Intrepid ES überhaupt
haben muß und was nicht. Nach weiteren Zettelaustauschen und Drohungen
von seiten der deutschen Kunden, daß man jetzt doch lieber geht und den
Dodge dort kauft, wo er üblicherweise verkauft wird, und Beschwichtigungen
daraufhin von Luis und Maurice, man würde sich schon einig werden, kommen
beide Seiten schließlich zum Ergebnis, daß der gleiche Preis wie
beim Dodge-Händler in den Vertrag aufgeschrieben wird und daß die
Kunden einen Intrepid ES 99 mit Standardausstattung plus Wegfahrsperre bekommen.
Natürlich muß auch bei Chryslers eine Kaution hinterlegt werden,
aber das tut man ja gerne, wenn man dafür auch das bekommt, was man will
plus der vorab verschlafenen Wegfahrsperre
Luis gibt noch großspurige
Versprechungen ab, daß man spätestens nach zwei Tagen einen entsprechend
den Wünschen der deutschen wohlgeschätzten Kundschaft ausgestatteten
Wagen lokalisieren wird und diese dann benachrichtigen wird, um die VIN mitzuteilen,
auf daß sofort die Versicherungsunterlagen angefordert und im Anschluß
das Auto beim State Department zugelassen und last but not least mit Nummernschildern
versehen werden kann. Erneut frohen Mutes und glücklich ob des Schnäppchens,
das sie gerade geschlagen haben, kehren die Germanen in ihre gemütliche
Wohnung zurück und stoßen schon mal auf das gelungene Wochenende
an
Am nächsten Tag, einem Montag, wird die Freude zum ersten Mal getrübt,
als Luis anruft und verkündet, daß man leider keinen ES der gewünschten
Art gefunden hätte, sondern nur einen mit allen Austattungsmerkmalen, die
es auf der großen weiten Welt so gibt und natürlich einem entsprechend
höheren Preis. Da sich aber einmal im deutschen Gehirn festgesetzte Vorstellungen
von solchen noch nicht einmal verlockenden, weil ja auch viel teureren, Angeboten
nicht einfach so hinwegfegen lassen, besteht man auf den vereinbarten Details.
Der erneute Rückruf von Luis ist zunächst einmal niederschmetternd
- der einzige Ausweg ist die Bestellung eines maßgeschneiderten Autos
beim Werk, was bedeutet, daß es erst nach ca. sechs Wochen ausgeliefert
werden kann. Nun ja, man hat ja schließlich schon fünf Wochen gewartet,
dann kommt es auf weitere sechs auch nicht an - sagen sich die immer noch optimistisch
denkenden deutschen Idealisten und sagen zu. Außerdem bekäme man
dann auch gleich ein 2000er Modell des Intrepid, lockt Luis. Auf die instante
Frage nach den Unterschieden zum 99er Modell kommt wie aus der Pistole geschossen
die Entgegnung, daß es lediglich ein paar Veränderungen der Farben
und des Interieurs gäbe, was die Kunden dazu bewegt, ohne zu zögern
auch diesen Aspekt zu akzeptieren. Beim Weiterverkauf macht es sich bestimmt
einmal gut, wenn man ein 2000er Modell anzubieten hat...
So weit, so gut - die Sache ist am Laufen, man wendet sich seinen regelmäßigen
Dienst- und Privatgeschäften zu, fährt in den Urlaub nach Deutschland
und genießt die Zivilisation an sich und im Straßenverkehr im besonderen,
kehrt in die Neue Welt zurück und findet zuallererst auf dem Anrufbeantworter
eine Nachricht, daß das Auto eingetroffen sei und man es nun aus New Jersey
abholen könne. Es sind zwar mehr als sechs Wochen vergangen in der Zwischenzeit,
aber man ist noch so positiv geprägt vom Urlaub und der netten Überraschung
bei der Rückkehr, daß sofort für das folgende Wochenende ein
Abholtermin mit Luis vereinbart wird. In mehreren Telefonaten gelang es den
nach Konsultation mehrerer Kollegen mittlerweile im Autoanmeldegeschäft
schon recht kundigen beiden deutschen Neulingen auch, Luis das Prozedere zu
erläutern und ihm einzuschärfen, daß er sich nicht selbst um
Nummernschilder bemühen muß, sondern diese vom State Department geliefert
werden und vom Kunden selbst mitgebracht werden. Er erweckte auch den Eindruck,
als ob er verstanden hätte, daß für die beiden "Intrepid-Besitzer-to-be"
das sogenannte "Certificate of Origin" (so eine Art Fahrzeugbrief)
neben den Versicherungsunterlagen so ziemlich das wichtigste Dokument ist und
er dieses unbedingt beim Dodge-Händler in Bergen County vorbereiten lassen
muß, damit es bei der Abholung des Wagens nur noch mitgenommen werden
muß. Aus diesem Zertifikat geht nämlich hervor, wer der Besitzer
des Wagens ist und eben deswegen wird es beim State Department in Verwahrung
genommen (wenn man es selbst zu Hause an einem sicheren Ort aufbewahren würde,
könnte es ja verloren gehen, in einem Büro, wo tausende solcher Zertifikate
rumfliegen, kommt ja weit weniger weg) - ergo bedeutet dies, daß man ohne
dieses Papier keine Nummernschilder von denen bekommt. Also, wie gesagt - Luis
hat alles versprochen, was man von ihm verlangte und die Zuversicht bei Herrn
und Frau Zukünftige Autobesitzer wuchs. Am Wochenende dann versammelte
sich die Dreiergruppe zunächst im Chrysler-Haus, fuhr gemächlich und
mit vielen Umwegen nach Dodge Bergen County und bekam zum ersten Mal das gute,
maßgeschneiderte Stück Dodge Intrepid zu sehen. Nachdem das freudig
erregte deutsche Pärchen, wie schon so oft in ihrer Autokäufer-Karriere,
zum wiederholten Male in einer Ecke an einem Besuchertisch geparkt worden waren,
durften sie auch recht bald ihren zertifizierten Scheck einreichen und somit
die komplette Bezahlung des Wagens vollziehen. Auf die Frage nach dem Certificate
of Origin ernteten sie einen unverständlichen Blick und bekamen die Antwort,
daß man dies heute zum Samstag nicht ausstellen könne, da ja schließlich
die Buchhaltung am Wochenende nicht besetzt sei. Nachdem die verstörten
Kunden darauf hingewiesen hatten, daß Luis ja wohl angekündigt hat,
daß sie kämen und man das Ganze ja auch schon am Freitag hätte
vorbereiten können, wurden sie darüber informiert, daß über
ihren Besuch nichts bekannt war und somit auch nichts hätte vorbereitet
werden können. Nun ja, was tun? Was bleibt einem schon übrig als
sich Dreinfügen? Man vereinbarte schließlich, daß das Papier
gleich am Montag nach Manhattan geschafft wird und man es sich dann im Autohaus
abholen kann. Der Dodge wurde natürlich sofort mitgenommen und somit konnten
die beiden bis dahin noch nicht zertifizierten Quasi-Besitzer wenigstens gleich
eine Testfahrt im eigenen Auto unternehmen. Davon konnten sie dann den Rest
des Samstages sowie den ganzen Sonntag zehren...
Am Montag dann ein erwartungsvoller Anruf bei Luis, der das niederschmetternde
Ergebnis zur Folge hatte, daß das Certificate of Origin noch nicht eingetroffen
sei, aber gleich am Dienstag früh verfügbar sein würde. Da man
als Beamter auf Lebenszeit ja relativ flexibel in der Arbeitszeitgestaltung
ist, beschloß er daraufhin, den Dienst am Dienstag etwas später anzutreten
und dafür vorher, pünktlich um 9.00 Uhr bei Öffnung des Autohauses
das heilige Papier in Empfang zu nehmen, auf daß man endlich mit der Registrierung
des Wagens bei den kompetenten Behörden voranschreiten könne. Um nicht
den Grundtenor dieser Geschichte ins Positive ändern zu müssen, gleich
weiter im Text - das Zertifikat war selbstredend am Dienstag früh bei Geschäftsöffnung
noch nicht übergabebereit, sondern wurde erst im Laufe des Vormittags
erwartet. Aber wenigstens war Luis bei dieser Nachricht schon so weit sensibilisiert
und auf die verärgerte Reaktion der teutonischen, bis dahin so geduldigen
Kunden eingestellt, daß er gleich nach Bekanntgabe der Negativmeldung
auf die Forderung des Kleinfamilienvaters, das Zertifikat dann gefälligst
per Boten zu ihm zu bringen, positiv reagiert und dieses zugesichert hat. Was
dann auch geschah. Aber was nutzt einem der Fahrzeugbrief, wenn man ihn erst
um 16.30 Uhr erhält und das Büro des State Departments aber bereits
um 17.00 Uhr seine Pforten schließt? Genau - gar nix. So wurde die Maschinerie
dann auch erst am Mittwoch früh in Gang gesetzt und alle erforderlichen
Papiere ausgefüllt, abgestempelt und unterzeichnet und den entsprechenden
Stellen zugeleitet. Laut Auskunft der Kollegen aus der Verwaltung dauert die
Vergabe der Nummernschilder und der Registrierungskarte nicht länger als
24 Stunden - wenn man seine Sachen gleich morgens abgibt, bekommt man seine
Kennzeichen manchmal sogar noch am gleichen Tag. Leider nicht im Falle unserer
vom Pech verfolgten Petenten. In ihrem Falle hat man wohl etwas langsamer und/oder
gründlicher als sonst gearbeitet und die Nummernschilder erst am Freitag
Nachmittag herausgerückt. Aber immer noch so früh genug, daß
der pflichtbewußte deutsche Ehemann das Auto beim Händler holen,
nach Hause fahren und sich verpflegen sowie im Anschluß noch seine Ehefrau
vom Spätdienst abholen konnte. So einen angenehmen Nachhauseweg hatte
sie schon lange nicht mehr - entweder steht man in überfüllten und
unpünktlich abfahrenden öffentlichen Verkehrsmitteln herum oder aber
sitzt in einem Taxi, das natürlich zusätzliches Geld und, was nicht
zu vergessen ist, vor allem Nerven kostet, da die wenigsten Taxifahrer die Tätigkeit
im zweiten Teil des Namens ihrer Berufsbezeichnung beherrschen und sich nur
hupend und über Ampeln rasend durch den New Yorker Verkehr mogeln. Auch
für ihn kam die Autoanmeldung gerade noch gelegen, da er am Wochenende
häufig dienstlich im Einsatz war und somit unabhängig vom öffentlichen
Nahverkehr mit dem eigenen Wagen zum Dienstgeschäft und wieder nach Hause
reisen konnte, ohne zu viel Zeit dabei zu verlieren. Was für eine tolle
Sache, so ein eigenes Auto! Und wartet erst, bis die nähere Umgebung damit
erkundet wird...
Ende gut - alles gut? Bei weitem noch nicht. Denn wie hätte es auch anders
sein sollen - man fand gleich am zweiten Tag nach der offiziellen Anmeldung
heraus, daß die bestellte Wegfahrsperre fehlt und somit die ganze Trickserei
ganz am Anfang bei Vertragsabschluß für nichts und wieder nichts
war. Warum schließlich waren die beiden Schlaumeier nicht zum ursprünglichen
Dodge-Händler zurückgegangen??? Auch nach mehrmaliger Suche im Auto
und in den Instruktionen dazu kam man zu keinem anderen Ergebnis - keine Wegfahrsperre,
kein Alarm, keine blinkenden roten Lämpchen. Ein frustrierendes Gefühl,
von der himmelhochjauchzenden Phase direkt in die zu Tode betrübte zu stürzen.
Natürlich wurde am Montag gleich Luis über die Entdeckung informiert,
der aber in seiner Eigenschaft als professioneller Chrysler-Verkäufer nichts
dazu sagen konnte und erst in Bergen County anrufen mußte. Aber wie nicht
anders erwartet, gab es keine Wegfahrsperre und er mußte leider eingestehen,
daß er nicht ganz unschuldig an dieser Geschichte ist. Immerhin versprach
er, daß die Alarmanlage nachgerüstet wird. Die beiden skeptischen
Neuwagenbesitzer durchforsteten jedoch, sensibilisiert durch die Erkenntnis
des letzten Tages, die Instruktionen zur Bedienung des Wagens auch hinsichtlich
des ABS und eine dunkle Ahnung bewahrheitete sich - auch die Lampe, die bei
Zündung die Funktion des ABS signalisieren soll, fehlt. Warum nur ist ihnen
das nicht gleich aufgefallen? Moment mal, suchen sie jetzt etwa die Schuld bei
sich? Geht man beim Kauf eines Neuwagens nicht davon aus, daß er so geliefert
wird, wie man ihn bestellt hat? Kann man sich denn auf niemanden verlassen in
diesem Land? Trotzdem stellen sie sich mit der einfachen Erkenntnis nicht zufrieden
und forschen mit Hilfe des ebenfalls vor kurzem erst erworbenen Super-PCs,
der natürlich auch seine Macken aufweist, was aber schon wieder eine komplett
neue Geschichte ist, im Internet auf der Dodge-Homepage nach den Ursachen für
diesen doch gravierenden Fehler. Es dauert auch nicht lange und sie stoßen
auf die Wurzel des Übels - als ob man sich das nicht gleich hätte
denken können! Der Modellwechsel von 99er auf 2000er Modell war doch nicht
ganz so harmlos, wie von Luis und Co. angekündigt, sondern beinhaltet außer
Farben- und Interieursänderungen auch Änderungen in der Konzeption
der Modelle und in deren Standardausstattung. Bei den 2000er Intrepids gibt
es nämlich drei verschiedene Ausstattungsformen, wogegen es bei den 99ern
nur zwei gab. Unsere beiden Intrepid-Fans mußten sich lediglich zwischen
Basic Model und ES entscheiden, bei einem 2000er Modell hätten sie noch
die R&T-Variante zur Auswahl gehabt. Im Einzelnen bedeutet dies, daß
jetzt als einziger Intrepid der R&T noch ABS serienmäßig aufweist
und sowohl bei ES als auch beim Basic Modell dieses als Extra bezahlt werden
muß. Leider wußten weder Luis noch irgendeiner seiner Untergebenen
oder Vorgesetzten darüber bescheid und konnten die zum damaligen Zeitpunkt
noch an das Gute und vor allem die Kompetenz des Autoverkäufers glaubenden
deutschen Kunden nicht darüber informieren. Die fleißigen Bienen
im Dodge-Werk konnten natürlich nicht riechen, daß die Bestellung
Nr. xyz von Kunden kommt, die eigentlich einen 99er ES-Modell wollten, und vor
allem auch bezahlt haben, und haben demzufolge stur nach neuestem Plan das
2000er Modell ohne ABS gebaut.
Gleich als erste Amtshandlung am nächsten Morgen wird Luis angerufen. Auf
die Nachricht, daß auch das ABS am Wagen fehlt, reagiert er schon nicht
mehr ganz so gelassen, gibt aber seine Standardantwort, daß er erst in
Bergen County bei Dodge anrufen muß, um Genaueres in Erfahrung zu bringen.
Beim zweiten Gespräch dieses Tages mit ihm kontert er aufmüpfig, daß
der Wagen tatsächlich kein ABS habe und zwar, weil dies nicht im Kaufvertrag
festgehalten gewesen sei. Um weitere fruchtlose Diskussionen am Telefon zu vermeiden,
wird ein Termin für denselben Abend bei Chryslers vereinbart, wo auch sein
unmittelbarer Vorgesetzter anwesend sein soll. Gerade noch rechtzeitig, um den
Luis-Vorgesetzten noch zu erreichen, kommen die beiden ABS-losen, reklamierwilligen
und nicht mehr ganz so zahmen Ex-Kunden im Chrysler-Domizil an und werden erst
mal wieder kurz "on hold" gesetzt. Zuerst findet ein Dialog mit Luis
statt. Er schilt, daß bei Vertragsabschluß nicht extra darauf hingewiesen
wurde, daß der Wagen ABS haben soll. Die Gegenseite gibt aggressiv zurück,
daß auf dem Vertrag groß und deutlich "Intrepid ES 99"
steht und ABS bei dem 99er ES nicht extra erwähnt werden muß, da
er bereits serienmäßig damit ausgestattet sei. Wenn dies beim 2000er
Modell nicht an dem sei und der Verkäufer dies dem Kunden vorher nicht
sagt, weil er es selbst nicht weiß, müsse er dann im Anschluß
auch die Verantwortung für sein Versäumnis tragen. Unverständlicher
Blick von Luis. Der Gute hat leider noch nicht erfaßt, wo der springende
Punkt ist. Nochmal versuchen die Geschädigten ihm klar zu machen, daß
sie ja auch nicht explizit auf Lenkrad oder Rückbank oder Fahrersitz hingewiesen
hätten und trotzdem hätten sie diese im Auto vorgefunden. Luis lächelt
schwach zurück und fragt vorsichtig nach, was denn die Vorstellungen der
unzufriedenen Kunden seien, wie die Sache bereinigt werden könne. Forsch
kommt die Antwort, daß sie ein Auto wollen, welches ABS hat und weiter
nichts - wie Luis das anstellt, ist ihnen egal. Einlenkend fragt die bisher
schweigsam auf dem Stuhl gesessene und nicht auf aktive Partizipation heischende
Gattin, ob man denn ABS nicht nachträglich einbauen könne, was Luis
sofort mit nein beantworten kann. Dann, so der nicht ganz so defensive Gatte,
müsse wohl ein neues Auto her. Da würde aber das Autohaus Verlust
einfahren, da ja schließlich der bereits angemeldete Dodge nunmehr ein
Gebrauchtwagen sei und auch nur als solcher verkauft werden könne. Diese
Erwiderung berührt die unzufriedenen Deutschen aus dem Land, wo der Kunde
noch König ist, eher nicht und Luis wird immer hilfloser. Auch finanzielle
Kompensation oder Discount-Preise beim Servicevertrag bzw. verlängerte
Garantie kann die Kunden nicht von ihrem Standpunkt abbringen. Schließlich
holt er doch noch seinen Vorgesetzten ran, der aber auch nicht weiterhelfen
kann, weil auch er keine verbindliche Entscheidung treffen darf. Man wird auf
den Besitzer des Autohauses verwiesen, der nur sporadisch auftaucht oder anruft
- aber bis Freitag könne man eine Auskunft geben, ob der Wagen ausgetauscht
wird oder nicht, wobei die Hoffnungen auf einen positiven Bescheid diesbezüglich
nicht so hoch einzustufen seien. Man werde voraussichtlich auch nach Rücksprache
mit dem Besitzer wohl kaum etwas für die ums ABS geprellten Kunden tun
können, wenn es diesen wirklich um das Vorhandensein von ABS in ihrem Auto
ginge. Auf Freitag vertröstet und immer noch relativ niedergeschmettert
verlassen die beiden die Brutstätte der Inkompetenz und begeben sich in
ihre eigenen Wände, um darüber nachzudenken, was bei einer zu ihren
Ungunsten ausfallenden Entscheidung zu tun sei. Die Konsultation mit einem
Rechtsanwalt am nächsten Tag bestärkt sie darin, daß sie im
Recht sind und bei einem Rechtsstreit auch nicht den Kürzeren ziehen würden.
Ob allerdings der Streitwert von ca. 600$ den Aufwand und vor allem die Anwaltskosten
rechtfertigt, stünde natürlich auf einem anderen Blatt. Allerdings
solle man nicht so niedergeschlagen sein, falls nötig würde der Anwalt
auch, ohne dies zu berechnen, mal mit den hohlköpfigen Autoverkäufern
reden oder diesen einen Brief schreiben. Das würde meistens schon helfen.
Wie wahr gesprochen! Am Freitag, als von der geschädigten Seite erneut
Kompensationen jeglicher Art ausgeschlagen wurden und auf Ersatz beharrt wurde,
orakelte auch der Vorgesetzte von Luis, daß es dann wohl zum Rechtsstreit
kommen würde. Woraufhin der gut vorbereitete deutsche Diplomat konterte,
daß er sich bereits mit einem Anwalt konsultiert habe und dieser meinte,
die Sache sei eindeutig Schuld des Autohauses und dieses habe auch dafür
geradezustehen. Die Erwähnung des Anwalts wiederum ließ den Chrysler-Knecht
aufhorchen und erneut mit dem Besitzer des Autohauses konferieren, was im Ergebnis
den Vorschlag brachte, der die Welt des Diplomatenpärchens bewegen sollte.
Man könne ihnen einen Austauschwagen mit ABS anbieten, allerdings habe
dieser einen kleineren Motor und eine andere Farbe. Man beschloß, daß
auch 2,7 l Hubraum für einen Motor ausreichen sowie 200 PS und daß
auch silber sehr elegant aussieht und als zweite Wahl nach schwarz sowieso auf
der Liste gestanden hätte. Also wird der Vorschlag zur Güte von Chrysler
akzeptiert, nachdem noch ausgehandelt wurde, daß ein Scheck in Höhe
von 500$ die Autobesitzer für den kleineren Motor und die moralische Schädigung
kompensiert, und alle sind zufrieden. Der Austauschwagen wird in ca. zwei Wochen
zur Verfügung stehen und dann könne man auch sagen, ob dieser denn
eine Wegfahrsperre habe oder nicht, im Moment sei dies noch nicht möglich.
Nun gut, Hauptsache ABS.
Nachdem diese Abmachung getroffen worden war, brachten unsere beiden vorsichtigen
Deutschen gleich zuerst den "alten" Dodge zurück zu Chrysler,
damit diesem nichts mehr passiert, was die Austauschaktion noch gefährden
könne - schließlich fahren genügend durchgeknallte Taxilenker
durch New York. Auch die Ummeldeformalitäten beim State Department gestalteten
sich weniger problematisch als angenommen - die Nummernschilder mußten
noch nicht mal abgegeben werden, sondern konnten in der Verwaltung der Vertretung
bis zum Eintreffen des Nachfolgewagens aufbewahrt werden. Man bekam anstandslos
seinen Fahrzeugbrief wieder, konnte diesen an das Chrysler-Autohaus weiterleiten
und hatte erst mal eine Sorge weniger. Erstaunlicherweise meldete sich Angelo
von Bergen County Dodge bereits nach einer Woche mit der freudigen Nachricht,
daß der Silberpfeil bereits da sei. Schnurstracks wurde die VIN an die
Versicherung durchgegeben, eine neue Versicherungsbescheinigung ausgestellt,
die alten Nummernschilder aus der Verwaltung geholt und ein Termin mit Luis
für die Fahrt nach New Jersey gemacht. Beim Telefonat mit Angelo von Bergen
County hatte der vorsichtig gewordene deutsche Fast-wieder-Dodge-Besitzer bereits
nach der Wegfahrsperre gefragt, welche, so versicherte ihm Angelo, natürlich
dieses Mal eingebaut sei. Freudig erregt verließ der deutsche Beamte den
Arbeitsplatz erneut etwas früher, um mit Luis gemeinsam nach New Jersey
zu fahren und erreichte Stunden später erschöpft und frustriert sein
heimatliches Quartier - ohne neuen Dodge. Zwar besaß der Silberpfeil tatsächlich
mit ABS verfeinerte Bremsen, hatte dann aber doch, entgegen der Auskunft Angelos,
keine Wegfahrsperre. Reumütig ließ Angelo dem zukünftigen Besitzer
noch die Wahl, wo dieser denn die Alarmanlage eingebaut bekommen möchte
- bei Chrysler oder Dodge - und dieser entschied sich dann spontan für
die Dodge-Werkstatt, besser "safe than sorry". Erneut werden Termine
vereinbart - man sagt zu, daß der Wagen am Montag sofort mit Wegfahrsperre
ausgerüstet und im Anschluß nach Manhattan überführt werden
wird und man ihn dann abends nebst dazugehörigen Papieren sowie Kompensationsscheck
bei Chryslers abholen könne. Ein weiteres Wochenende ohne Auto. Dafür
aber wieder Hoffnung und Licht am Ende des Tunnels. Vielleicht schaffen sie
es doch noch, über das Thanksgiving-Wochenende mit dem eigenen Auto Exkursionen
zu machen! Am Montag dann die Auskunft, daß der Wagen da sei, aber in
der Hitze des Gefechts, sprich dem Einbau der Alarmanlage, Angelo ganz vergessen
hat, sich um den Papierkram zu kümmern, so daß das Auto nun zwar
in Manhattan ist und abgeholt werden kann, aber das Certificate of Origin trotzdem
erst im Laufe des nächsten Tages nachgereicht werden kann. Langsam sehen
die beiden genervten Autokäufer die Möglichkeit entschwinden, ihren
Wagen bis Thanksgiving angemeldet zu bekommen. Wenn sie ihren Fahrzeugbrief
nicht im Laufe des Dienstages beim State Department abgeben, werden sie wohl
kaum am Mittwoch die Registrierungskarte bekommen können. Und Donnerstag
ist Truthahnessen auf der Tagesordnung, weswegen wohl am Freitag auch nicht
mehr viel gearbeitet werden wird auf amerikanischen Behörden. Trotzdem
sichern sie sich ihr Auto am Montag Abend und vertrauen darauf, daß einmal
etwas klappt in der Zusammenarbeit mit Chrysler Manhattan. Leider blieb die
Spannung bis fast zum Dienstschluß am Dienstag erhalten. Der Fahrzeugbrief
erreicht die zukünftigen Halter gegen 15.00 Uhr. Dienstbeflissen wird er
persönlich vom Besitzer ins State Department gebracht, in der Hoffnung,
daß er die Mitarbeiter dort an einem guten Tag erwischt und diese ihm
seine Registrierungskarte sofort ausstellen. Leider ist auch eine US-Behörde
eine Behörde und was man ihm sagt, ist eher vage, aber man könne das
Ganze schon innerhalb von 24 Stunden schaffen. Falls dieser Fall wirklich eintreten
sollte, würde es ja reichen, denn dann wäre man immer noch vor Thanksgiving
offiziell als Besitzer des Silberpfeils registriert. Aber man hat ja auch schon
seine Erfahrung mit der Arbeitsweise des State Departments und da ist Skepsis
bis zum bitteren Ende geboten...
Aber was soll man sagen - auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn und so hatten
die beiden vom Pech verfolgten Autobesitzer in spe doch tatsächlich Glück
und konnten kurz vor Toresschluß am Vorabend des heiligen amerikanischen
Freßfestes noch den längst nicht so toll wie im angeblich zurückgebliebenen
Rußland aussehenden Fahrzeugschein für ihr neues altes oder auch
altes neues Gefährt abholen und das große Abenteuer des Umherirrens
auf konfus und spärlich ausgeschilderten High-, Express- und Parkways im
Großraum New York beginnen.
Fazit des Unternehmens: Vom Tag des Vertragsabschlusses mit den hilfreichen und vor allem kompetenten Autofachverkäufern von Chrysler am 12.09.99 sind genau 10 Wochen und 3 Tage verstrichen, bis der Dodge Intrepid in der Form, in der er bestellt worden war, von den rechtmäßigen Besitzern als ihr offizielles Eigentum angemeldet werden konnte. 73 Tage, in denen unzählige Telefonate geführt wurden und vorab noch unzähligere Voicemail-Nachrichten beiderseitig hinterlassen wurden. 73 Tage, in denen die beiden jungen Leute so oft wie nie zuvor vertröstet, beschwichtigt und letztendlich doch wieder enttäuscht wurden und in denen langsam aber beständig der Glaube an das sprichwörtliche "Service-Paradies USA" gestorben ist. 73 Tage, in denen allmählich auch die Idee reifte, diese Erfahrung niederzuschreiben und für die Nachwelt zu erhalten, um dem Mythos vom unkomplizierten Leben in Amerika im Allgemeinen und New York im Speziellen etwas entgegensetzen zu können. 73 Tage des Autokaufens, die nun vorbei sind, aber leider erst der Anfang waren - denn der Wagen muß ja auch in einer Garage abgestellt werden. Und in dieser Garage parken die sogenannten "valets" die Autos und holen diese nach vorheriger Bekanntgabe des Abfahrttermines auch wieder aus den Tiefen des Gebäudes hervor. Und eben diese Park-Knechte vermitteln mindestens so viel Kompentenz wie die Chrysler-Leute und verweisen auch genauso häufig auf den Manager
to be continued